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Künstlerin, *1964,
lebt in Paris, F
hartware
2000 Plan
B
Sans
titre (Venezianische Serie), 1997
Serie mit 5 s/w fotografien, je 100 x 80 cm, courtesy:
Galerie Xippas, Paris

Valérie Belins s/w Fotografien von Arrangements venezianischer
Spiegel und Glasobjekte haben auf den ersten Blick nichts mit öffentlichen
Räumen zu tun. Oder vielleicht doch?
Die opulenten Spiegel sind von floralem Dekor umrankt: Rahmen, die selbst
aus verspiegeltem Glas hergestellt sind. Ausgangsmotiv ist jeweils das
leicht angeschnittene Vollformat eines Spiegels vor schwarzem Hintergrund
in dem sich wiederum weitere, dicht gedrängte Spiegel und Gegenstände
mit glatter, reflektierender Oberfläche spiegeln. Die Spiegel im
Spiegel stehen so zueinander, dass sie sich immer nur gegenseitig zurückwerfen.
Auch sie befinden sich in einem undefinierten Raum. Hier scheint es nichts
als in ihrer Brillanz konkurrierende Reflexionen zu geben, die um Nichts,
um eine absolute Leere herum spekulieren, eingefasst von kristallisierter
Natur.
Stellt man sich die Situation im Raum, das Fotoset, vor, so taucht unschwer
eine Szene auf, in der sich lauter eitel herausgeputzte Spiegel in nicht
minder ausstaffierten Spiegeln betrachten.
Spiegelnde Oberflächen als urbane Selbstbezüglichkeit sind vertraute
Motive des städtischen Dekors. Bürotürme spiegeln Bürotürme
wieder und glänzen in eigens zu diesem Zweck großzügig
angelegten Teichen. Nichts scheint diese Leerformeln selbstherrlicher
Architektur zu umgeben, als sie selbst. Das dekorative, hoch aufpolierte
Vakuum, das in den Fotografien von Bélin entsteht, kann daher durchaus
im Kontext der sterilen urbanen Oberflächen gelesen werden. Die Platzierung
dieser Bilder in der Burgtor Passage referiert darüber hinaus auf
das urbane Vakuum, das in der seit Jahren leerstehenden und versperrten
Passage mit ihrer verglasten Innenarchitektur entstanden ist. Ein Ort
inmitten der Stadt, dessen Funktion als Durchgang wie als Ladenzeile vollständig
aufgehoben ist und in dem sich einzig und allein das Außen, das
jedoch außen vor bleibt, wieder- und widerspiegelt. Von Anfang ihrer
Erfindung an bis zur heutigen Shopping Mall, folgt die Passage der Idee
einer Stadt, einer Welt im Kleinen. Ihre zentralen Konstruktionselemente
sind Glas, Stahl und Marmor, glänzende Oberflächen, auf denen
sich die Sehnsüchte der Konsumenten mit dem Warenangebot verschweißen:
Eine Miniaturwelt des reinen Begehrens. In den Fotografien von Valérie
Bélin entfalten sich die verspiegelten Mikrokosmen einer verblassten
Warenästhetik, in denen selbst das Begehren verschwunden, der Dernier
Cris verhallt ist. Iris Dressler
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