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Künstler,
*1961, lebt in Lyon, F
hartware
2000 Plan
B
Glooscap,
begonnen 1985
1985 gründen Alain Bublex, damals noch Industriedesigner
bei Renault, und sein Kollege Milen Milenovich die Stadt Glooscap,
deren erste urkundliche Nennung von 1605 datiert. Gründung, das hieß
hier zunächst einmal nichts anderes, als eine sich in der Tradition
der écriture automatique mehr oder weniger eigendynamisch
fortschreibende städtische Textur. Ein namen- und ortloses Gewebe
entsteht, für das schließlich ein reales Pendant gefunden wird:
Die kanadische Ostküstenprovinz New Brunswick, deren äußere
Konturen sich mit denen der erfundenen Stadt decken. Glooscap, die Namensgebung
folgt auf den Fuß, kann zu seinen Wurzeln voranschreiten. Unter
Berücksichtigung der geografischen und klimatischen Bedingungen des
realen Vorbildes, das genau genommen ein Nachbild ist, sowie der nordamerikanischen
bzw. kanadischen Historie, entsteht eine Superstadt, die sich vom potentiellen
Ist-Zustand zur potentiellen Vergangenheit hin entwirft. Glooscap, das
ist eine Sammlung von Karten, Dokumenten und anderen Zeugnissen, die die
Entwicklung dieser höchst wahrscheinlichen Stadt belegen. Die indianische
Herkunft des Namens (ursprünglich Koluskap), ihre ersten Siedler,
die Konflikte zwischen den französischen und britischen Kolonialmächten,
lokale Kulturgeschichte, Verkehrsentwicklung, der erste schwarze Bürgermeister,
die Blütezeit und der Niedergang der Industrialisierung - all dies
lässt sich anhand der Sammlung nachzeichnen. Jedes einzelne Element
des archivierten Materials, ob es sich nun um das Einwohnermeldeformular,
die Gemäldesammlung, Statistiken oder den U-Bahnplan handelt, sind
von Bublex hergestellte Imitationen, deren reale Vorlagen man aus den
Archiven einer Vielzahl von Städten zusammentragen müsste, wollte
man the making of Glooscap nachvollziehen. Von den groben
Strukturen westlicher Stadtentwicklung ausgehend, gelangt Bublex schließlich
zu den privaten Schicksalen einzelner prominenter wie unbekannter Bürger
von Glooscap: Eine bis ins kleinste Detail auf ihre individuelle Geschichte
hin ausgelegte Stadt. Ein idealer Ort für ortsspezifische Kunst,
möchte man meinen, besonders jetzt, wo der Strukturwandel dort so
viele Leerräume hinterlassen hat. Doch Glooscap ist immer auch eine
andere oder alle Städte zugleich - wie andere oder alle Städte
auch? Weder fiktiv noch real, liefert Glooscap den nachträglichen
Prototyp westlicher Stadtkulturen. Ihre Geschichte endet konsequenter
Weise mit dem Ende der 90er Jahre, denn Glooscap greift nicht vor, sondern
schreitet rückwärts voran. Vielleicht folgt einmal ihre Fortsetzung,
die jedoch nur im Rückgriff auf das Zukünftige geschrieben werden
könnte. Warten wirs ab. Iris Dressler
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