Künstler, *1963, lebt in Paris, F

hartware
2000
Plan B sans titre
2000 Plan B thumbs up, thumbs down text

 

 

sans titre (cosméthiques), 1997ues), 1997
Tapete

In Claude Closkys Atelier türmen sich Berge von Life-Style Magazinen. Ein Großteil seiner Arbeiten speist sich daraus. Wie ein Fortsetzungsroman, kreisen sie um die Welten der „Immer-Gut-Gelaunten“, deren Sprache die der Werbetexter ist und deren größtes Problem darin besteht, jung, schön und hübsch eingerichtet zu bleiben: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ in der Version 2000.
Zu Wellnes und ewiger Jugend verhilft bekanntlich die Kosmetikindustrie. Closkys titellose Papierarbeit, genauer gesagt Tapete, reiht Versatzstücke der schwappenden, spritzenden und splashenden Formensprache bekannter Moisturizer-Imperien endlos aneinander. Was einst als einzelnes und einziges Objekt des Begehrens mit großem Aufwand für die vorteilhafte Belichtung inszeniert wurde, verschwindet hier im dekorativen All-Over der Meterware. Ein veritabler Schmelztiegel, nicht nur des Fetisch Ware: Auch Warhol und Pollock werden skrupellos als Zusatzstoffe beigemengt.
Glaubt man der Werbung noch, dass das eine oder andere Wässerchen aus Hand verlesenen Ingredienzien erschaffen worden sei, so wird es spätestens auf Closkys Tapete wieder auf das Niveau der Massenware zurückgeworfen. Ein ewiger Jungbrunnen pflanzt sich hier aus sich selbst heraus fort und generiert dabei zur sterilen Samenbank.
Iris Dressler


Installationsansicht, Plan B, Königswall Passage, Dortmund, 2000, Foto: Sascha Dressler



Thumbs up, thumbs down, 1998ues), 1997
Videoarbeit

Spätestens als die „Jugend von heute“ mit Schlaghosen und Plateausohlen daher kam, wurde mir klar: Mein Kleiderschrank ist „out“, abgelöst durch einen Stil, der noch vor einigen Jahren selbst als „das Allerletzte“ galt. Die Generation über mir wiederum, die von Bundgee-Jumping bis Sky-Surfen jede Extremsportart mitnimmt und sich im gehobenen H& M Stil kleidet, dieselbe Generation übrigens, die ich einst mit meinem Outfit provozieren konnte, hat eine Up-to-Date-Kur durchlaufen, die mich alt aussehen lässt. Dennoch: Trash oder Luxus, Techno oder Disco, Kultig oder Solide, Naturtrip oder „Hauptsache Ungesund“ sind Schlagworte, mit denen sich kaum mehr Generationen, sondern höchsten noch Szenen festschreiben lassen, und auch hier gibt es solche und solche. Trendy zu sein ist harte Arbeit, und dies nicht nur, weil sich die Moden so rasch ändern, sondern auch, weil die Selbstinszenierung als „In“ oder „Out“ selbst ein Bekenntnis, eine Message, ein Stil ist. Es reicht nicht, den Trends hinterher zu jagen, man muss auch am richtigen Ort die richtige Position dazu einnehmen können.
In Claude Closkys Videoprojektion „thumbs up, thumbs down“ geht der Daumen gnadenlos rauf und runter. Aufgewertet oder abgekanzelt werden hunderte von Marken, Sportarten, Nahrungsmittel, Frisuren, Fernsehserien, Statussymbole oder Verhaltensregeln: „Clubs“ contra „Raves“, „Gesunder Menschenverstand“ contra „Feng Shui“, „Jeans + T-Shirt“ contra „Comme des Garçon“, „Kunst als Mode“ contra „Mode als Kunst“: eine nicht enden wollende Liste. Verfolgt man das Barometer von Anfang bis Ende, so schält sich dennoch kein Typ, noch nicht einmal ein Stereotyp heraus. Man verliert dessen Spur in den angehäuften Beliebigkeiten.
Iris Dressler