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KünstlerInnen
und ArchitektInnen
Elizabeth Diller, *1954; Ricardo Scofidio, * 1935; leben in New York,
USA
hartware
1998 Reservate
der Sehnsucht
Pageant,
1997
Computeranimation, Bodenprojektion, s/w, Ton
Installationsansicht, Reservate, Union Brauerei, Dortmund, 1998, Foto:
Christoph Irrgang
Die Globalisierung des Marktes durch die Fusion verschiedener Firmen zu
mächtigen Monopolen verleiht den Logos dieser Konzerne in ihrer Besetzung
urbaner Zeichenräume eine ubiquitäre Präsenz. Die Bodenprojektion
von Diller + Scofidio zeigt eine Auswahl der Logos solcher international
operierender Konzerne, bei der sich durch Morphing aus einem Signet das
nachfolgende ergibt, die Zeichen der globalisierten Ökonomie sichtbar
und zwangsläufig miteinander verschmelzen. Begleitet von einem meditativen,
beinahe sakralen Sound, ziehen die Ikonen westlicher Konsumkultur am Betrachter
vorbei - ein festliches Schauspiel (»pageant«) der Macht symbolischer
Repräsentation.
Das auf Wiedererkennbarkeit angelegte, reduktionistische Design dieser
Logos und Corporate Identities animiert zur Partizipation am firmeneigenen
Image durch Konsum der von ihnen repräsentierten Waren und Dienstleistungen.
Schließlich wird in Zeiten der Deregulierung und globalen Fusion
der Kampf um neue Absatzmärkte zum ökonomischen Eroberungsfeldzug,
bei dem die Hoheitszeichen der Unternehmen an vorderster Position um die
visuelle wie mediale Vormachtstellung im öffentlichen Raum und Bewusstsein
kämpfen. Vor allem deshalb sind Logos ikonische Zeichen, deren abstrakte
Oberflächen-struktur eine Kommunizierbarkeit über sprachliche
und kulturelle Grenzen hinweg garantieren soll. Macht und Geld lautet
ihre Botschaft, die fast schon koloniale Eroberung fremder Märkte
ihr Ziel.
Bei Diller + Scofidio sind die strategisch so wichtigen Differenzen der
Markenzeichen jedoch in Auflösung begriffen, erscheinen die Trademarks
des Spätkapitalismus als ausdifferenzierte Einheiten eines einzigen,
weltumspannenden Modells. Die meisten der Logos wirken vertraut, und selbst
solche, die in Deutschland noch nicht ihre visuelle Präsenz und Bildmacht
entfalten konnten, fügen sich so perfekt in die Reihe der optischen
Stimuli, dass sie als Varianten eines erkennbaren Grundmodells von dessen
Signal-funktion profitieren. Als prominentes Metazeichen in dieser endlos
am Betrachter vorbei-ziehenden Prozession symbolisch verdichteter Kapitalakkumulation
erscheint nicht von ungefähr ein abstrahierter Globus mit zwei Mickey
Mouse-Ohren - das Logo des Walt-Disney-Konzerns, der nicht nur bestimmend
ist im Hinblick auf erfolgreich vermarktetes Entertainment nach kommerziellem
Maßstab, sondern auch intensiv an einer alle Lebensbereiche umspannenden
Parallelwelt arbeitet, der Disney World.
Vanessa Joan Müller
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