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Künstler,
*1952, lebt in München
hartware
1998 Reservate
der Sehnsucht
Bodycheck
Physical Sculpture Nr. 5, 1991/92
30 Boxsäcke (Auswahl), je 40cm Durchmesser,
120 cm hoch, 60 kg

Installationsansicht, Reservate,
Union Brauerei, Dortmund, 1998, Foto: Christoph Irrgang
Die Installation
"Bodycheck", eine bedrängend dichte Montage frei schwingender,
boxsackähnlicher Objekte, entwirft einen außerordentlichen
Raum. Als Werk ist sie erst dann vollständig, wenn ihr Betrachter
sich, als aktiver Teil, mitten in ihr befindet. Sobald das geschehen ist,
erfährt er, dass die so simpel konstruierte Installation sich zu
einem hochkomplexen Kräftespiel entwickelt, mit einer ebenso hochkomplexen
inhaltlichen Potenz. In "Bodycheck" gibt der Rezipient seine
sichere Position auf und begibt sich in ein vom Künstler gesetztes
System, das nicht ohne Berührung und dem Risiko von Blessuren zu
überwinden ist. Wie in dem Gleichnis einer sozialen Chaostheorie
erkennt man sich selbst als Auslöser von Anstößen, die
immer eine Wirkung auf das gesamte Umfeld haben und sich letztlich auf
indirektem Wege wieder zurückwenden. Jede Bewegung artet zwangsläufig
und unausweichlich in ein Gegeneinander von Kräften aus, gegen die
es sich zu behaupten und die es zu überwinden gilt.
Im Werk von FLATZ gibt es keinen privaten Menschen; es gibt das Individuum,
das sich nach außen hin, im Verhältnis zum sozialen Kontext
definiert. Auch in "Bodycheck" wird dies deutlich. Kunst fungiert
dabei als der Entwicklungshelfer eines sozialen Bewusstseins. In der Inszenierung
des Betrachters und seiner Wirkung im Raum und auf plastische Zusammenhänge
gestaltet die Installation Erfahrungen, die in ihren körperhaften
Konsequenzen außerhalb eines klassischen Werkbegriffes liegen, und
ebenso überzeitlich gültig sind wie jeweils aktuell. So provozieren
diese Arbeiten, ähnlich wie bei Werken von Serra beobachtet, "Erfahrungen
von existentieller Gefährdung".(1) Während aber bei Serra
allein das Wissen um die an sich statische Masse bedroht, ist es bei FLATZ
die vom Betrachter selbst ausgelöste tatsächliche Bewegung,
die er nicht mehr kontrollieren kann und die auf ihn zurückfällt.
Die documenta-Arbeit "Bodycheck - Physical Sculpture No. 5"
ist, was der vollständige Titel des Werkes bereits besagt, Teil einer
komplexen skulpturalen Serie, die seit 1991 realisiert wird.(2) Diese
Reihe stellt insgesamt eine vielschichtige Befragung des sozialen Körpers
dar, die die Dimensionen der Skulptur auflädt. Zudem ist in gesamtkunstwerkerischer
Manier die Serie der "Physical Sculptures" mit den Werkserien
der "Tattoos" und der "Demontagen" verknüpft.
Das Zentrum all dessen bildet der längst zur Kunstfigur stilisierte
FLATZ.(3) Und so erfährt der Rezipient auch in "Bodycheck"
diesen unmittelbaren Bezug, wenn ihm die 60 kg schweren, schwarzhäutigen
Ledersäcke mit dem Körpergewicht des Künstlers entgegenschlagen.Diana
Ebster
1 Oskar Bätschmann: Ausstellungskünstler, Köln 1997, S.234f.
2 Eine Bild-Dokumentation der Serie in: FLATZ: Physical Sculptures. Aktionsforum
Praterinsel, München 1998.
3 Siehe dazu Stuart Morgan: »Jeder für sich (Every man for
himself)«, in: FLATZ: Bodycheck - Physical Sculpture No. 5, Kassel
1992, S.21ff.
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