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Künstler,
*1957, lebt in Brüssel, B
hartware
2000 Plan
B
From
There To Here (II), 1998 2000
Digitales Fotopanorama, 2,59 m x 27,11 m
Koproduktion: hartware;
Infografie: Fabien de Cugnac

Den Ausgangspunkt Marin Kasimirs Auseinandersetzung
mit dem Motiv des Panoramas bildet das Anfang der 90er Jahre gemeinsam
mit dem französischen Kritiker und Philosophen Frédéric
Migayrou begonnene Projekt La Description de lArche.
Eine Sammlung von über 200 fotografischen Panoramen entsteht, die
mit der Idee einer absoluten Ansichtigkeit von Welt operiert
- der Begriff lArche spielt dabei ebenso auf die biblische Erzählung,
wie auf die Grand lArche de Paris an.
An keinem Ort eindrucksvoller als in Paris, vermittelt sich die klassische
Idee der Metropole, die Weltentwurf und Stadt in Eins setzt. Und das architektonische
Relief ihrer Oberflächen repräsentiert ebenso eine traditionelle
Sprache von Macht wie ihre aktuellen Überformungen durch die medialen
Displays der Großstadt.
Auch die Geschichte des Panoramas selbst steht in engem Bezug zur Metropole.
Nicht nur, dass die ersten monumentalen Rundgemälde, die Ende des
18. Jahrhunderts entstehen, in Paris und London gezeigt werden, ihre Sujets
sind u.a. wiederum Stadtansichten, die die beeindruckenden Dimensionen
zeitgenössischer Weltstädte virtuell vor Augen führen.
Kasimirs fotografische Arbeiten aber setzen die Tradition dieser Panoramen
nur scheinbar mit dem Medium der Fotografie fort. Die Utopie einer in
der Totalen möglichen 360-Grad-Perspektive wird unmissverständlich
aufgehoben. Die utopische Idee einer Allansichtigkeit, die dem Panorama
entspricht und die Form der sukzessiven Erzählung des Frieses werden
verknüpft.
Bereits in seinen ersten Panorama-Fotografien arbeitet der Künstler
mit einem Kameradreh, der den geschlossenen Kreis einer 360 Grad Bewegung
überdehnt. Die damit ins Bild gesetzten zeitlichen und räumlichen
Überlagerungen heben den momenthaften und zugleich statische Charakter
der Fotografie auf. Eine zunehmende digitale Bildbearbeitungen, die auch
Elemente wie vergrößerte Pixelstrukturen einsetzt, verleiht
den Arbeiten virtuellen Charakter. Schließlich wandeln sich Kasimirs
Motive zu real-fiktiven Stadtansichten, die sich vom realen Ort lösen.
Die Menschen, die seine Aufnahmen vor dem Hintergrund urbaner Architektur
zeigen, funktionieren als am schnellsten wirksame Bildformeln für
die sichtbar gemachte fortwährende Transformation des Ist-Zustandes.
An ihren Erscheinungen, ihrer Bewegung und ihrem Verschwinden im Kontinuum
des Raumes, wird das Moment der permanenten Veränderung am offensichtlichsten.
Im Gegensatz dazu bleibt der Betrachter jeweils als das unsichtbare Zentrum
der Konstruktion fixiert.
Das für die Ausstellung in Dortmund entwickelte Foto-Fries, mit dem
Kasimir die Schaufensterfläche an der Rückfront des Karstadtgebäudes
bespielt, schwenkt von der Brückstraße bruchlos in das Stadtbild
von Paris über. Im Bild inszeniert, realisiert sich in diesem urbanen
Morphing eine Verknüpfung beider Großstädte, die zwangsläufig
an das Schlagwort vom Global Village denken lässt. Im
globalen Dorf verschmelzen schließlich alle Metropolen zur einzigen
Megacity, zur Hyperarche, und führen die Idee des Identischen und
Authentischen letztlich ad absurdum.
Diana Ebster
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