Künstlergruppe, geründet 1982 in Witten
Ralf Friedrich, Wolfhard Lieber, Peter Mäder

hartware
1998
Reservate der Sehnsucht

Das Loch der Bilder, 1998
Videoinstallation
Koproduktion:
hartware

Die Idee zu der Installation "Das Loch der Bilder" entstand bereits während der ersten gemeinsamen Begehung des Gebäudes der ehemaligen Dortmunder Unionbrauerei durch die beteiligten Künstler. Das auffallendste Merkmal der zahlreichen Innenräume war das Vorhandensein vieler Durchbrüche bzw. Löcher und abgeschnittener Rohrleitungen in den Decken und Wänden, die durch die Demontage der verwertbaren Bestandteile nach der Stillegung der Brauerei entstanden waren.
Das Gebäude war »entkernt« und »entfunktionalisiert«. Es hatte also einen Zustand »nach der Arbeit« und »vor der Ausstellung« erreicht. Ein Zustand, der durch den prädestinierten Weg in der Ausstellung von den Kuratoren enteignet wird. »Spektakel« und »Sensation« verlieren sich im Wegweisersystem der Ausstellung. "Das Loch der Bilder" setzt genau an dieser Gratwanderung an. Wie durch ein Schlüsselloch erlaubt die Installation Einblicke in die Ruine, allerdings nicht »live«, sondern medial vermittelt, also in gewissem Sinne als eine permanent aufgeschobene Stimulierung des Voyeurs - ohne Erfüllung.
Die Installation ist über einem unregelmäßigen ca. 170 x 275 cm großen Loch in der Decke der vierten Etage, der Landschaftsetage, gebaut. Die Umbauung ist ein weißer Kubus, der, durch eine Brücke durchschnitten, den Betrachter direkt über die Bodenöffnung in das Zentrum des Raums führt. Die Kamera zeigt die Räume aus der Vogelperspektive bzw. aus der Aufsicht; sie pendelt beunruhigend langsam über dem Raum, fährt in ihn hinein, verharrt bewegungslos, stürzt hinab und zieht sich wiederum in Zeitlupe aus ihm zurück.
Der reale Abgrund entzieht sich zugunsten seines virtuellen Pendants, das den Betrachter mit dem Sog seiner Bilder in die Tiefe zu ziehen scheint. Dies ist ein »Remake« von den vertrauten Bildern der Angst vor der Tiefe, das sich nicht in lukrativen und familienfreundlichen Katastrophenszenarien auflöst.
Leuchtstoff