Künstler, *1965, lebt in Paris

hartware
2000
Plan B

Chicago / Flipper, 1997
Video, 1997, 7', Loop, courtesy: Anne de Villepoix



Das Video „Chicago/Flipper” zeigt eine Kamerafahrt durch Chicago im Rhythmus einer „sich im Spiel befindenden” Flipperkugel. Zwischen Beschleunigung, Trudeln, Pendeln und Verharren wird die Kamera und ihr Träger, scheinbar angetrieben von magnetischen, mechanischen oder elektronischen Impulsgebern, durch die Stadtkulisse geschossen. Unterbrochen werden die „herumgestoßenen“ Stadtansichten von den schwarzroten LED-Displays eines Flipperautomaten. Der Sound des Videos besteht aus einer Mixtur zwischen den im Hintergrund „mitlaufenden” Stadtgeräuschen und den typischen Klangelementen eines Flippers. Dieses urbane Zerrbild, das scheinbar alle Attituden des ”American way of life”, des schnell durch sein Umfeld zappenden Stadtneurotikers beschwört, bleibt in seiner Bildmontage und der Wahl der Bildausschnitte denkbar profan: Nicht die dramatische Lichtbrechung in verspiegelten Wolkenkratzern oder der weltumspannende Gestus des „global Players“ stellen sich als Sujet der Arbeit heraus, sondern die nüchternen Stadtelemente und -funktionen, die sich in scheinbar beliebigen, dem „Spiel folgenden” Kameraeinstellungen, aneinanderreihen.

Heineken Vision
Video, 1998, 5', Loop, courtesy: Anne de Villepoix



„Heineken Vision“ scheint die Profanisierung von Stadtansichten auf die Spitze zu treiben. Das Video zeigt schlicht und einfach die ungeschnittene Aufnahmen einer städtischen Situation, die von der immergleichen Kameraeinstellung aus durch ein Bierglas hindurch gefilmt ist. Dabei allerdings spiegeln sich an der Oberfläche des Glases auch die hinter der Kamera stattfindenden Szenen. Ein übereinandergefalteter Rundumblick. Die Quadratur des Kreises?
Schemenhaft zeichnen sich Passanten, Verkehr und andere, nur noch erahnbare Gestalten ab, die man, als wären sie in einem trüben Aquarium beheimatet, stundenlang betrachten kann. Blässchen von Kohlensäure durchziehen das Bild wie ein Bildschirmschoner: Ein weiterer Schleier, der sich zwischen den Betrachter und dieser fernen, zeitlupenartigen und höchst artifiziell erscheinenden Miniaturwelt schiebt.
In beiden Fällen geht es Scurti weniger um das pulsierende Leben in der Großstadt, als um die Rezeption von Stadt durch einen immer schon medial gefilterten Blick. Während er in „Heineken Vision“ die Stadt an ihren Oberflächen förmlich luftdicht verpackt, generiert sie in „Chicago/Flipper“ zum Computerdisplay, zum reinen Interface.

Hans D. Christ