Künstler, *1960, lebt in Paris, F

hartware
2000
Plan B

Les Anneaux, 1999
5 rollbare Sitzobjekte, je 210 cm Durchmesser, Höhe: 80 cm



Das Schlagwort von der „Kunst als Dienstleistung“ gehört längst zu den angesagten Modebegriffen der Kunstwelt. Nicht misszuverstehen ist damit allerdings die „Sitzskulptur“, die Veit Statmann in der Königswall Passage positioniert. Der „Service“, der hier geboten wird, verfolgt weder den Entwurf eines gehaltvolleren Designs, noch dient er einer ironischen Brechung des klassischen Künstlerbegriffes. Es geht vielmehr um ein Angebot von „Gebrauchsobjekten“, in denen sich die eigentliche Idee von Dienstleistung völlig verkehrt.
So stößt der Passant in der weitläufigen Unterführung am Dortmunder Hauptbahnhof auf drei kreisförmige, mobile Sitzgruppen, deren knallig rote Plastiksitze ihn einladend anstrahlen. Spätestens dann aber, wenn man sich zu setzen versucht und die Bestuhlung nicht stillhalten will, wird klar, dass die Objekte ihren offensichtlichen Funktionalismus untergraben. Wer sich niederlassen will, muss mit fester Hand zugreifen, oder sich mit weiteren Passanten absprechen, um das Kunstobjekt in seinem Bewegungsdrang zu steuern.
In humorvoller Weise boykottieren „Les Anneaux“ die übliche Mission von Sitzmöbeln im öffentlichen Raum. Die bekannte Form der unverrückbar fest montierten Stühle, die all ihre User mit Blick nach vorne ausgerichtet nebeneinander aufreihen, wird hier zum beweglichen Objekt auf Rollen. Gleichzeitig behindern die jeweils neun, auf Metallringen konzentrisch montierten Sitze die problemlose Kommunikation ihrer Benutzer. Keine Spur also von der in einer Passage ohnehin absurden Serviceleistung eines versprochenen Innehaltens: die „Rast“ wird zum kommunikativen Geschicklichkeitsspiel.
Veit Statmanns Arbeiten setzen sich in Beziehung zum kulturellen und sozialen Phänomen Stadt, zur Architektur, die Raum strukturiert, zum Spannungsverhältnis zwischen den Formen öffentlicher und privater Organisation. Seine Arbeit diskutiert nicht-künstlerische Probleme, zu deren „anderer“ Erfahrung jedoch gerade Kunst nötig ist. Es spielt eine ganz entscheidende Rolle, daß seine „Skulpturen“ benützt werden können. Entgegen der klassischen Pionierleistung des Duchampschen Readymades, mit dem die intelligente Abstraktion des Objet trouvé betrieben wird, sockelt Stratmann in „Les Annaux“ das Gebrauchsding nicht in der elitären Isolationshaft des White Cube auf, sondern reproduziert mit tatsächlichen „Kunstwerken“ alltägliche Muster absichtlich „falsch“.
Eine „konkrete“ Kunst also, die allerdings, im Kontrast zur üblichen, verordneten Nutzung des öffentlichen Raumes, chaotische Strukturen stiftet, deren dis-funktionale Situationen kreativen Raum produzieren.
Diana Ebster