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Künstler,
*1949, lebt in New York, USA
Bisherige
Zusammenarbeit mit hartware:
1998 Reservate
der Sehnsucht
Coffee
Seeks Its Own Level, 1990
Keramik und Kunststoff, 110,5 x 84,6 cm
courtesy: Ronald Feldmann Fine Arts, New York
Form follows
function - das bekannte Credo des modernistischen Gestaltungswillens berücksichtigen
Allan Wexlers hybride Grenzgänger zwischen Gebrauchsutensil und Kunstobjekt
auf recht eigenwillige Weise. Dabei geht es Wexler gar nicht um eine ästhetische
Intervention, die den Gebrauchswert zugunsten des Objekthaften zerstört;
die von ihm produzierten Dinge wahren die von den Gestaltern des modernen
Lebens proklamierte Schlichtheit, und auch die Verfremdung entzieht den
Gegenstand nicht seinem Verwendungszweck. Was jedoch auf den ersten Blick
wie eine praktische Innovation im Alltagsdesign wirkt, erweist sich auf
den zweiten Blick sowie beim - imaginierten oder realen - Gebrauch als
Prototyp zur Erforschung des Verhaltens seiner Benutzer. Denn die Objekte
besitzen nicht nur eine eigene Logik und eine individuelle Funktion, sondern
verlangen auch von ihren Benutzern eine Assimilation an diese Funktion:
Nicht das Objekt passt sich der menschlichen Tätigkeit an, sondern
der Mensch dem Objekt.
Der Ausgangspunkt seiner irritierenden Verfremdung des Bekannten ist meist
ein elementares, oft naturwissenschaftliches Prinzip - etwa, dass Flüssigkeit
sich immer ihr eigenes Niveau sucht. Gemeinsames Kaffeetrinken wird zum
komplizierten Akt, wenn in "Coffee Seeks Its Own Level" alle
vier Benutzer ihre mit Schläuchen verbundenen Tassen gleichzeitig
und horizontal anheben müssen; hebt eine Person ihre Tasse zu hoch,
schwappt der Kaffee in den drei anderen über. In Hinblick auf das
konventionelle Verständnis von Funktionalität ist Wexlers Annäherung
an die Dinge gezielt unangemessen. Denn letztlich geht es ihm weniger
um die Dinge selbst, als um die von ihnen anschaulich provozierte Komplexität
des menschlichen Umgangs mit dem aus dem Gleichgewicht gebrachten rationalen
Pragmatismus.
Dem funktionalistischen Willen zur Form steht in "Coffee Seeks Its
Own Level" eine Apparatur gegenüber, die aus einer alltäglichen
Handlung eine Versuchsanordnung macht, welche weniger das Kaffeetrinken
als das damit verbundene Ereignis berücksichtigt. Im Kunstkontext,
in dem der Alltag stets in neuem Licht erscheint, wird so aus dem, was
im profanen Gebrauch als dysfunktional bald ausgemustert würde, eine
ironische Reflexion über mögliche Umgangsformen mit dem Objekt,
das dem Benutzer seine Funktion diktiert. Nicht nur deshalb ist "Coffee
Seeks Its Own Level" nur eine von mehreren Arbeiten zum Thema Kaffeekonsum.
Das mit Flecken übersäte Tischtuch der ersten Erprobungsphase
der Installation verwendete Wexler für seine Arbeit "Coffee
Stained Coffee Cups", für die er 50 amorphe Tassen anfertigte,
deren Formen genau jenen der Kaffeeflecken entsprechen. Hier erfüllt
die Form perfekt ihre Funktion: Wenn die Tassen auf dem Tischtuch platziert
werden, erscheint das Tuch wieder vollkommen sauber, und der Tisch verwandelt
sich quasi als ästhetisches Surplus in eine surreale Landschaft aus
Porzellan. Vanessa Joan Müller
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