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Werke (Auswahl)

Stefan Altenburger   Cédric Bobay   etc. publications   Christoph Büchel
Fatma Charfi   collectif_fact   Andreas Hofer   Hubbard / Birchler
Eric Hattan   Steeve Iuncker   Park Junebum   Keller / Wittwer
Franticek Klossner   Chantal Michel   Moser / Schwinger   Marco Poloni
Christian Robert-Tissot            

Stefan Altenburger, Promenade, Videoinstallation, 1999
Die Videoarbeiten "Promenade" von Stefan Altenburger und "Circus" von collectif_fact greifen urbane Raumkonzepte auf, wie sie in den virtuellen Welten dreidimensionaler Computeranimationen generiert werden. In beiden Fällen werden die vertrauten Parameter von Raum, Ordnung und Orientierung, entlang derer der Betrachter durch die simulierten Städte navigiert, aufgehoben und dabei die Illusion einer linearen Fortbewegung verschoben.
Altenburger bedient sich der – von sämtlichen Spielfiguren verlassenen – Raumkulissen des Computerspieles "Silent Hill", um darin seinen einsamen Helden auszusetzen. Ziellos bewegt dieser sich, wie entlang eines Möbiusbandes, durch die entleerte nächtliche Stadt, wird durch Hindernisse zur Umkehr gezwungen, passiert wiederholt die selben Orte.
 
Cédric Bobay
Cédric Bobay wird für die Ausstellung eine neue Arbeit produzieren, die sich mit dem Umfeld des Ausstellungsortes auseinandersetzt: dem stillgelegten Hochofenwerk auf Phoenix West.
In der Vergangenheit hat Bobay mit verschiedenen Sätzen und Statements im öffentlichen Raum gearbeitet und hat dabei u.a. das (nicht realisierte) Konzept für eine Projektion des Wortes "Gott" auf einen Zürcher Kirchturm entwickelt.
http://www.cedricbobay.com
 
etc. publications
( Nicolas Bourquin, Sven Ehmann, Krystian Woznicki),
Swiss etc., Publikation + Installation, 2004
   
Mit dem "Modell Schweiz" beschäftigen sich Nicolas Bourquin, Sven Ehmann und Krystian Woznicki in ihrer Installation und ihrem Reader "Swiss etc.", die beide im Kontext der Ausstellung entwickelt werden. Das Modell Schweiz wird dabei als ökonomische Sonderzone im Abgleich mit Staaten wie Malaysia und Uruguay untersucht. Die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Selbstbilder des Alpenstaates werden darüber hinaus auf ihre Widersprüche hin reflektiert.
 
Christoph Büchel, An Oval Office Tour With President George W. Bush, 2003, Video, 7:09  
Die Identität von Subjekt und Raum wird kaum perfekter inszeniert als in den Bildwelten des politischen Marketings. Das Umfeld des jeweiligen Protagonisten dient hier einzig und allein
der unmittelbaren Spiegelung seiner Werte und Machtansprüche. Die beiden Videoarbeiten von Christoph Büchel, "An Oval Office Tour With President George W. Bush" und "La Suisse Existe", führen diese Bildstrategien vor. In beiden Fällen handelt es sich um vorgefundenes und nicht weiter durch den Künstler bearbeitetes Material. Das eine Video ist eine Produktion des Weißen Hauses und zeigt George W. Busch, wie er uns höchstpersönlich durch das Oval Office führt. Die Architektur, Möbel, Gemälde, Skulpturen und Fotografien, die er uns näher bringen möchte, bilden gleichsam die Matrix einer ideologisch aufgeladenen Erzählung ab, an dessen Anfang und Ende die Macht und das Selbstbild des Präsidenten steht.
 
 
Christoph Büchel, La Suisse existe, 2000, Video, 7:10    
Das zweite Video ist die Aufzeichnung der zum Millenniumswechsel im Fernsehen ausgestrahlten Neujahrsansprache des damaligen Schweizer Bundespräsidenten Adolf Ogi. Er befindet sich vor einem verschneiten Tunnel in seiner Heimatstadt, – dem, wie er ausführt, symbolträchtigen Lötschbergtunnel –, und rekapituliert daran Schweizer Tugenden, Heimatliebe und Weltoffenheit. Der repräsentative Akt der Verschmelzung von Naturraum, Technik, Nationalbewusstsein und politischem Selbstverständnis gerät hier allerdings ungewollt aus den Fugen.  
 
Fatma Charfi  
Die in Tunesien geborene und in Bern lebende Künstlerin Fatma Charfi entwirft in ihrer Diainstallation ein zwiespältiges Verhältnis zur Schweiz. Das Selbstporträt zeigt die Künstlerin mit ernstem Blick, verhüllt von einem schwarzen Trauerflor. Dieser ist übersät von kleinen schwarzen und roten Papierfiguren, den sogenannten „Abroucs”, wobei die roten Figuren ein weißes Kreuz, also die Schweizer Nationalflagge tragen.
 
collectif_fact, Circus, 2003, Videoinstallation
Die von collectif_fact generierte Kamerafahrt durch eine virtuelle Umgebung basiert auf digitalen Fotos eines realen Platzes in Genf. Die Bilder wurden am Computer in mehrere Schichten aufgelöst und mit einem 3D Programm so reorganisiert, dass die verschiedenen Bildelemente und -schichten nun je einer eigenen Bewegungslogik folgen. Der Betrachter navigiert durch eine fragmentierte Stadtlandschaft, innerhalb derer jegliche Bezugspunkte auseinanderdriften.
http://www.collectif-fact.ch

 
 
Eric Hattan
In den Videoarbeiten von Eric Hattan, die er auf seinen unzähligen Spaziergängen oder aus dem fahrenden Auto heraus filmte, ruht der Blick auf völlig unspektakulären Orten, Situationen und Ereignissen: Sie folgen dem aufgehenden Mond, beobachten Baustellen, den Verkehr, oder achtlos weggeworfene Gegenstände, die der Wind fortträgt. Erst dadurch, dass diese "Nebensachen" ihrem alltäglichen Kontext enthoben wurden, erhalten sie einen Status des Besonderen, dessen Bedeutung jedoch offen bleibt.
 
Andreas Hofer, Flüchtige Räume, 2002, Fotoserie
Auf unterschiedliche Weise dekonstruieren Andreas Hofer und das Künstlerduo Dagmar Keller/Martin Wittwer die Illusionsräume der Fotografie und des Kinos. So inszeniert Hofer mit seinen digital manipulierten und zu einem Tableau arrangierten Architekturfotografien ("Flüchtige Räume") ein hybrides, zutiefst irritierendes "Trompe l’œil" zwischen realem und konstruiertem Raum, Illusion und Desillusion, Innen und Außen.
http://www.andreashofer.ch
 
Teresa Hubbard / Alexander Birchler, Detached Building, 2001, Videoinstallation, 05:38 sec, loop  
In der Videoinstallation "Detached Buildung" von Teresa Hubbard/Alexander Birchler schwenkt die Kamera in einer konstanten Bewegung entlang des Innen- und Außenraums eines Wellblechschuppens hin und her, der von einem verwahrlosten Garten umgeben ist. Im Innenraum des Schuppens fährt die Kamera zunächst über leere Bierflaschen und diversem Hausrat, bis sie auf eine Gruppe männlicher Teenager trifft, die ein Rockmusikstück probt. Jeder der jungen Musiker ist in sich versunken. Es herrscht, trotz des warmen Lichtes, in das der Schuppen eingetaucht ist, eine triste Stimmung. In der nächtlichen Szenerie des Außenraumes ist ein weiblicher Teenager damit beschäftigt, Steine auf ein Gebäude im Hintergrund zu werfen. Wie in anderen Videoarbeiten von Hubbard/Birchler entsteht an den Schwellen zwischen Innen und Außen ein Leerfeld, wird eine visuelle Pause erzeugt, innerhalb der sich Zeit- und Raumverschiebung ereignen und dabei die Linearität des Erzählflusses durchbrechen. Auf dem "Rückweg" der Kamera ist das Mädchen plötzlich verschwunden und auch der Schuppen ist leer. Dann beginnt der Loop von vorne. In "Detached Building" fallen nicht nur Zeit und Raum beständig auseinander, sondern spiegeln diese Brüche auch die Ein- und Ausschlüsse innerhalb des Geschlechterverhältnisses wider.  
 
 
Steeve Iuncker, Cannes, 2000, Fotoserie (s/w)
Der Fotograf Steeve Iuncker hat im Auftrag eines bekannten Magazins eine Reihe von Situationen während der Filmfestspiele in Cannes aufgenommen. Die Orte, Figuren und Szenerien seiner s/w Bilder lassen keinen Zweifel darüber entstehen, dass es sich um ein glamouröses Ereignis handelt. Allerdings wird der mondäne Lebensstil hier weniger durch die Stars, sondern vielmehr von "Randfiguren" repräsentiert.
http://www.attitudes.ch/energies/iuncker/Iuncker.htm

 
Park Junebum, Parking, Video, 2001/2002  
Aus der Vogelperspektive beobachten wir in den beiden Videos des koreanischen Künstlers Park Junebum die Verkehrsströme an einer Kreuzung bzw. einem Parkplatz. Der Künstler hat in diese Situationen eingegriffen: er ist beim einparken "behilflich" und "regelt" den Verkehr.
Park Junebum, Crossing, Video, 2001/2002    
   
Dagmar Keller / Martin Wittwer, MORE TO COME, 2003, Closed Circuit Installation  
Dagmar Keller/ Martin Wittwer stellen in ihrer Closed Circuit Installation "MORE TO COME" die perfekte Illusion eines bewegten Landschaftsbildes her, deren Konstruktion sie zugleich rückgängig machen.  
 
Franticek Klossner, Mess up your mind, 2001, High Speed Videoinstallation  
Eine radikale Deformation des Selbst betreibt Franticek Klossner sozusagen an der unmittelbaren "Fassade" des Ichs: dem Gesicht. Seine Videoinstallation "Mess up your mind" besteht aus acht Projektionen, die Porträts verschiedener Personen zeigen. Ihre Gesichter sind mit einer Hochgeschwindigkeitskamera, die für militärische Zwecke entwickelt wurde, gefilmt worden. Diese Kamera erzeugt über 3.000 Bilder pro Sekunde, so dass die Bewegungen der Porträtierten erheblich verzögert, ihre Gesichter bis ins Monströse verzerrt werden.
http://www.franticek.ch
 
     
Chantal Michel, Während der ganzen Zeit wuchsen und wuchsen die Kinder und stellten nur die eine Frage, während die Erwachsenen ratlos und grossartig lächelnd schrumpften und schrumpften, 2003, C-Prints, 130 x 130 cm
Schauplatz der Fotoserie von Chantal Michel sind die desolaten Räume eines verlassenen Hotels, in das die Künstlerin eingedrungen ist, um sich dort selbst vor der Kamera zu inszenieren. Sie trägt lange, edle Kleider zu eleganten Schuhen, deren Reinheit und Unversehrtheit dem Umfeld diametral gegenüberstehen. Zugleich wählt die Künstlerin ungewöhnliche Positionen: Sie sitzt auf einem Stuhl, der wiederum auf einem Tisch platziert ist, steht auf einem Kaminsims oder lugt unter einem Sofa hervor. In jeder Szene taucht die Künstlerin in einem anders farbigen Gewand auf, das jeweils die Farbe von verschiedenen, in der Nähe angeordneten Objekten aufzugreifen scheint – wie der zarte Versuch einer Tarnung. In einer doppelten Bewegung geht die Figur in ihrem Umfeld auf und wird doch zugleich von diesem abgestoßen. In aller Präsenz und Einbettung in den Raum bleibt sie doch eine geisterhafte, fremde Erscheinung. Dieses ungeklärte Verhältnis lädt wiederum zu einer Vielzahl von Spekulationen über das vor Ort Geschehene ein.

 
 
Frédéric Moser / Philippe Schwinger, Acting Facts, 2003, Videoinstallation  
Die Geschichte, die in der Videoinstallation "Acting Facts" des Künstlerduos Frédéric Moser/Philippe Schwinger entwickelt wird, entsteht im Wesentlichen außerhalb des Bildraums. Ausgangspunkt ist hier ein konkretes historisches Ereignis: das Massaker, das US-Soldaten während des Vietnamkrieges in My Lai an Hunderten vietnamesischen ZivilistInnen verübt haben. Auf der Basis von Augenzeugenberichten wird dieser Vorfall von einem Schauspieler, der sich vor der neutralen Kulisse eines Pinienwaldes befindet, szenisch interpretiert. Dabei wechselt er in seinen eindringlichen Rollenspielen immer wieder die Charaktere, er spielt den Befehlshaber ebenso wie dessen Untergebene, breitet die dramatische Szene aus verschiedenen Perspektiven vor unserem geistigen Auge aus. Zwischen Bildraum und Betrachter schiebt sich dabei ein weiterer imaginärer Raum: Denn über unzählige Foto-, Filmdokumentation sowie Hollywoodfilme hat sich der Vietnamkrieg längst in das mediale Kollektivgedächtnis eingeschrieben.  
Frédéric Moser / Philippe Schwinger, Capitulation Project, 2003, Videoinstallation
"Capitulation Project", eine weitere Videoinstallation von Moser/Schwinger, beschäftigt sich ebenfalls mit dem My Lai Massaker. Hier beziehen sich die Künstler auf ein Theaterstück, das sich in den 1970er Jahren (unter anderem) mit der Affaire auseinandersetzte: In Form einer offenen Performance, in der die SchauspielerInnen in ständig wechselnden Rollen agierten und das Publikum aktiv auf der Bühne miteinbezogen. Moser/Schwinger haben für ihre Videoinstallation Ausschnitte aus dem Stück in einer freien Interpretation rekonstruiert. Auf unterschiedlichen Ebenen werden in "Capitulation Project" verschiedene Erzählräume durchkreuzt: Vom eigentlichen, historischen Ereignisraum über den Bühnen- hin zum Film- und zum Ausstellungsraum: denn hier befindet sich ein im Film verwandtes Bühnenelement.
 
Marco Poloni, AKA (ALSO KNOWN AS) - Script for a Short Film, 64 Inkjet Prints, 297 x 420 mm, 2002
"AKA (ALSO KNOWN AS)" von Marco Poloni ist ein aus 64 Einzelfotos bestehendes Skript zu einem Film, der nicht gedreht werden wird. Verfolgt wird darin eine multiple männliche Person auf ihren Wegen durch verschiedene öffentliche und private Räume zweier Großstädte: Zunehmend verdächtigen wir sie der potenziellen terroristischen Absicht…
 

 
 
Christian Robert-Tissot, ohne Titel, 2002, Neonarbeit, 80 x 600 cm
Christian Robert-Tissot zeigt eine Neonarbeit, die auf eine innere Befindlichkeit verweist, die dem modernen Subjekt allzu vertraut ist, die aber kaum mit dem "White Cube", jener Enklave der andächtigen Versenkung, assoziiert wird: Aus den Leuchstoffröhren wurde das Wort "stress" geformt, dass in regelmäßigen Abständen grün aufblinkt.