4. September - 7. November 2004
 
Angela Detanico / Rafael Lain, Brasilien
exonemo, Japan
Szabolcs KissPál, Ungarn
Ryota Kuwakubo, Japan
Lucien Samaha
[The User], Kanada
Akram Zaatari, Libanon
 
Tillmann Roth, Förderpreisträger 2002
 
Nam June Paik, Mercury
 
 
PREISVERLEIHUNG
13. Oktober 2004
 
 
                             
                             
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Ausgewählte Werke


exonemo (Kensuke Sembo, Yae Akaiwa), VHSM: Video/Hack/and/Slash/Mixer, 2003
Videoinstallation



Die Installation basiert auf der Zerlegung und Neukomposition von Videobildern mit einer speziell von den Künstlern entwickelten Apparatur. Sequenzen von Found Footage, Archivbildern und Live-Aufnahmen werden von drei Projektoren mit variabler Bildgeschwindigkeit auf eine Leinwand geworfen. Dabei werden die Videobilder auf eine Art und Weise ineinander gemixt, wie es etwa vom DJing bzw. VJing bekannt ist. Die Installation fordert damit gängige Vorstellungen von Kontinuität und Zeitlichkeit ebenso heraus wie es die Ereignishaftigkeit des so manipulierten Videobildes vor Augen führt.

Angela Detanico / Rafael Lain
, Flatland, 2003
Videoinstallation

 

Das Video präsentiert eine besondere Art der Zeit- und Raumerfahrung im Flachland des Mekong-Deltas. Die Zeit scheint zerdehnt in der horizontalen Landschaft, während die Ufer schnell vorüber ziehen. Zwischen Zeitlupe und Hochgeschwindigkeit gefangen, wird man doch durch die Geräusche, die von den Ufern herüber kommen, in der Gegenwart festgehalten.
Aus Videoaufnahmen der Uferlandschaft wurden vertikale Pixelreihen isoliert, die ihrerseits wieder über die ganze Breite des Ursprungsbildes ausgedehnt wurden. Dieser Vorgang wurde 640 mal wiederholt. Die so erzeugten Stills werden zu Sequenzen von je etwa einer Minute Länge zusammengefügt. Jede Sequenz wird mit den Originalgeräuschen des Ufergebiets unterlegt.
Während die gedehnten, bearbeiteten Fragmente ein kondensiertes Bild der flachen Uferlandschaft vermitteln, zeigen die Rahmensequenzen kurz den realen Raum, wie er auf einer Reise erfahren wird.

Szabolcs KissPál, Edging, 2003
Videoinstallation



KissPáls Videoarbeit zeigt in einer konstanten Kameraeinstellung Bilder sich bewegender Wolken und gelegentlich das Bild kreuzender Vögel und setzt damit Konzepte wie Zufall und Konstruktion, Erwartung und Unberechenbarkeit in Szene. Der Flug der Vögel ist unvorhersehbar. Wenn man die Kamera in den Himmel richtet, kann es sein, dass ein Vogel im Laufe der Zeit durchs Bild fliegt. Er kann aus jeder beliebigen Richtung erscheinen und sich auf jeden beliebigen Punkt im Raum zu bewegen. Das Videoband kann aber auch zu Ende sein, bevor überhaupt ein Vogel aufgetaucht ist. Das Bild der sich langsam verändernden Wolken bleibt ein unendlicher, wenn auch leerer, Raum der Möglichkeiten, bis die Flugbahn eines Vogels diesen Raum durchkreuzt. Dieses Ereignis bedeutet Anfang und Ende einer Geschichte und erzeugt über die Verbindung zweier distinkter Punkte einen imaginären Raum.

Ryota Kuwakubo, loopScape, 2003
Computerspiel



Bei loopScape handelt es sich um ein Computerspiel für zwei User, das die gängigen Spielparameter erweitert, indem es das Spielgeschehen nicht auf einem flachen Monitor, sondern einem zylindrischen LED-Screen ansiedelt. Diese Ausdehnung des „Spielfelds“, die zunächst nur ein formales Detail zu sein scheint, hat tatsächlich für das Spielgeschehen unmittelbare Konsequenzen: Die Kampfjets der Kontrahenten nehmen sich nicht nur frontal unter Beschuss, sondern sind in alle Richtungen „verwundbar“. Trotz der recht reduzierten Darstellung des Kampfgeschehens, die in keiner Weise vergleichbar ist mit den hyperrealistischen 3D-Animationen handelsüblicher Videospiele, wird das Spielfeld dennoch auf ungewöhnliche Weise aufgebrochen und dynamisiert.

Lucien Samaha, Archive, work in progress
Digitales Bildarchiv



Seit einigen Jahren arbeitet Lucien Samaha mit einer fast obsessiv zu nennenden Intensität an der Inventarisierung, Archivierung und Präsentation seiner inzwischen ca. 150.000 Fotos, die er im musealen Kontext ebenso wie in Zeitschriften oder auf Online-Portalen präsentiert. Sein Archiv umfasst Fotoserien zu sozialen Anlässen, Bilder von Freunden, Schnappschüsse aus dem New Yorker Nachtleben u.a.
Der Künstler wird für die Dauer der Ausstellung sein Atelier/Archiv nach Dortmund verlegen und bis zur Preisverleihung im Oktober selbst anwesend sein, so dass vor Ort sowohl der Archivierungsprozess fortgesetzt als auch neue Fotografien und Videos produziert werden. Dabei wird der Austausch mit den Ausstellungsbesuchern über das Archiv, seine diskursive Erweiterung und Entwicklung sozusagen, integraler Bestandteil der Präsentation sein. Sein Atelier/Archiv wird zugleich Ausstellungs-raum, Diskussionsforum und Club sein, in dem neben Lucien Samahas Fotoarbeiten und Videos auch sein umfangreiches Archiv elektronischer Musik zu erleben sein wird.

[The User] (Thomas McIntosh, Emmanuel Madan), Quartet for dot matrix printers (Version 0.1b), 2004
Klanginstallation



Ausgangsmaterial der Arbeiten von [The User] sind Alltagsgeräusche, die wir als Nebenprodukte unserer Existenz produzieren, und die ihrerseits unser Lebensumfeld definieren. [The User] präsentieren im Rahmen des Nam June Paik Award eine neue Version ihrer Symphony for dot matrix printers, welche die inzwischen anachronistische Technologie der Matrixdrucker in einer komplexen Klanginstallation inszeniert. Der charakteristische Sound der Drucker wird digital verfremdet, verstärkt und zu einer vielschichtigen Komposition verwoben.

Akram Zaatari, Excavation (Arbeitstitel), 2004
Videoinstallation



Nach dem Rückzug der israelischen Truppen aus Ain el Mir in die gegenüberliegenden Hügel im Jahre 1985 verwandelte sich das Dorf in Frontgebiet. Daghers Familie musste von dort nach Marja’youn fliehen (eine weitere Stadt, die von Israelis besetzt war). 1992 kehrte die Familie nach Ain el Mir zurück.
Ali Hashisho arbeitet seit 1992 als Pressefotograf. Davor war er Teil der Miliz seiner Partei, die von 1985 bis 1991 für die Frontverteidigung in Ain el Mir verantwortlich war. Die Miliz hatte ihr Hauptquartier neben Daghers Haus. Als der Krieg beendet war und alle Milizen ihre Waffen der libanesischen Armee übergaben, schrieb Ali Daghers Familie einen Brief, in dem er die Besetzung ihres Hauses durch die Miliz rechtfertigte und sie nach der Rückkehr auf ihrem Land willkommen hieß. Er verschloss den Brief in dem leeren Gehäuse einer Rakete und vergrub ihn im Garten. Im November 2002 machte sich Akram Zaatari mit seiner Videokamera auf den Weg nach Ain el Mir, um Alis Brief auszugraben.