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Ausgewählte
Werke
exonemo (Kensuke Sembo, Yae Akaiwa), VHSM: Video/Hack/and/Slash/Mixer,
2003
Videoinstallation

Die Installation basiert auf der Zerlegung und Neukomposition von Videobildern
mit einer speziell von den Künstlern entwickelten Apparatur. Sequenzen
von Found Footage, Archivbildern und Live-Aufnahmen werden von drei Projektoren
mit variabler Bildgeschwindigkeit auf eine Leinwand geworfen. Dabei werden
die Videobilder auf eine Art und Weise ineinander gemixt, wie es etwa
vom DJing bzw. VJing bekannt ist. Die Installation fordert damit gängige
Vorstellungen von Kontinuität und Zeitlichkeit ebenso heraus wie
es die Ereignishaftigkeit des so manipulierten Videobildes vor Augen führt.
Angela Detanico / Rafael Lain, Flatland, 2003
Videoinstallation
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Das
Video präsentiert eine besondere Art der Zeit- und Raumerfahrung
im Flachland des Mekong-Deltas. Die Zeit scheint zerdehnt in der horizontalen
Landschaft, während die Ufer schnell vorüber ziehen. Zwischen
Zeitlupe und Hochgeschwindigkeit gefangen, wird man doch durch die Geräusche,
die von den Ufern herüber kommen, in der Gegenwart festgehalten.
Aus Videoaufnahmen der Uferlandschaft wurden vertikale Pixelreihen isoliert,
die ihrerseits wieder über die ganze Breite des Ursprungsbildes ausgedehnt
wurden. Dieser Vorgang wurde 640 mal wiederholt. Die so erzeugten Stills
werden zu Sequenzen von je etwa einer Minute Länge zusammengefügt.
Jede Sequenz wird mit den Originalgeräuschen des Ufergebiets unterlegt.
Während die gedehnten, bearbeiteten Fragmente ein kondensiertes Bild
der flachen Uferlandschaft vermitteln, zeigen die Rahmensequenzen kurz
den realen Raum, wie er auf einer Reise erfahren wird.
Szabolcs KissPál, Edging, 2003
Videoinstallation
KissPáls Videoarbeit zeigt in einer konstanten Kameraeinstellung
Bilder sich bewegender Wolken und gelegentlich das Bild kreuzender Vögel
und setzt damit Konzepte wie Zufall und Konstruktion, Erwartung und Unberechenbarkeit
in Szene. Der Flug der Vögel ist unvorhersehbar. Wenn man die Kamera
in den Himmel richtet, kann es sein, dass ein Vogel im Laufe der Zeit
durchs Bild fliegt. Er kann aus jeder beliebigen Richtung erscheinen und
sich auf jeden beliebigen Punkt im Raum zu bewegen. Das Videoband kann
aber auch zu Ende sein, bevor überhaupt ein Vogel aufgetaucht ist.
Das Bild der sich langsam verändernden Wolken bleibt ein unendlicher,
wenn auch leerer, Raum der Möglichkeiten, bis die Flugbahn eines
Vogels diesen Raum durchkreuzt. Dieses Ereignis bedeutet Anfang und Ende
einer Geschichte und erzeugt über die Verbindung zweier distinkter
Punkte einen imaginären Raum.
Ryota Kuwakubo, loopScape, 2003
Computerspiel
Bei loopScape handelt es sich um ein Computerspiel für zwei User,
das die gängigen Spielparameter erweitert, indem es das Spielgeschehen
nicht auf einem flachen Monitor, sondern einem zylindrischen LED-Screen
ansiedelt. Diese Ausdehnung des Spielfelds, die zunächst
nur ein formales Detail zu sein scheint, hat tatsächlich für
das Spielgeschehen unmittelbare Konsequenzen: Die Kampfjets der Kontrahenten
nehmen sich nicht nur frontal unter Beschuss, sondern sind in alle Richtungen
verwundbar. Trotz der recht reduzierten Darstellung des Kampfgeschehens,
die in keiner Weise vergleichbar ist mit den hyperrealistischen 3D-Animationen
handelsüblicher Videospiele, wird das Spielfeld dennoch auf ungewöhnliche
Weise aufgebrochen und dynamisiert.
Lucien Samaha, Archive, work in progress
Digitales Bildarchiv
Seit einigen Jahren arbeitet Lucien Samaha mit einer fast obsessiv zu
nennenden Intensität an der Inventarisierung, Archivierung und Präsentation
seiner inzwischen ca. 150.000 Fotos, die er im musealen Kontext ebenso
wie in Zeitschriften oder auf Online-Portalen präsentiert. Sein Archiv
umfasst Fotoserien zu sozialen Anlässen, Bilder von Freunden, Schnappschüsse
aus dem New Yorker Nachtleben u.a.
Der Künstler wird für die Dauer der Ausstellung sein Atelier/Archiv
nach Dortmund verlegen und bis zur Preisverleihung im Oktober selbst anwesend
sein, so dass vor Ort sowohl der Archivierungsprozess fortgesetzt als
auch neue Fotografien und Videos produziert werden. Dabei wird der Austausch
mit den Ausstellungsbesuchern über das Archiv, seine diskursive Erweiterung
und Entwicklung sozusagen, integraler Bestandteil der Präsentation
sein. Sein Atelier/Archiv wird zugleich Ausstellungs-raum, Diskussionsforum
und Club sein, in dem neben Lucien Samahas Fotoarbeiten und Videos auch
sein umfangreiches Archiv elektronischer Musik zu erleben sein wird.
[The User] (Thomas McIntosh, Emmanuel Madan), Quartet for dot matrix
printers (Version 0.1b), 2004
Klanginstallation
Ausgangsmaterial der Arbeiten von [The User] sind Alltagsgeräusche,
die wir als Nebenprodukte unserer Existenz produzieren, und die ihrerseits
unser Lebensumfeld definieren. [The User] präsentieren im Rahmen
des Nam June Paik Award eine neue Version ihrer Symphony for dot matrix
printers, welche die inzwischen anachronistische Technologie der Matrixdrucker
in einer komplexen Klanginstallation inszeniert. Der charakteristische
Sound der Drucker wird digital verfremdet, verstärkt und zu einer
vielschichtigen Komposition verwoben.
Akram Zaatari, Excavation (Arbeitstitel), 2004
Videoinstallation
Nach dem Rückzug der israelischen Truppen aus Ain el Mir in die gegenüberliegenden
Hügel im Jahre 1985 verwandelte sich das Dorf in Frontgebiet. Daghers
Familie musste von dort nach Marjayoun fliehen (eine weitere Stadt,
die von Israelis besetzt war). 1992 kehrte die Familie nach Ain el Mir
zurück.
Ali Hashisho arbeitet seit 1992 als Pressefotograf. Davor war er Teil
der Miliz seiner Partei, die von 1985 bis 1991 für die Frontverteidigung
in Ain el Mir verantwortlich war. Die Miliz hatte ihr Hauptquartier neben
Daghers Haus. Als der Krieg beendet war und alle Milizen ihre Waffen der
libanesischen Armee übergaben, schrieb Ali Daghers Familie einen
Brief, in dem er die Besetzung ihres Hauses durch die Miliz rechtfertigte
und sie nach der Rückkehr auf ihrem Land willkommen hieß. Er
verschloss den Brief in dem leeren Gehäuse einer Rakete und vergrub
ihn im Garten. Im November 2002 machte sich Akram Zaatari mit seiner Videokamera
auf den Weg nach Ain el Mir, um Alis Brief auszugraben.
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