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31.
Mai - 14. Juli 2002
Eröffnung:
31. Mai, 19 Uhr
Di - Fr: 16 - 22 h, Sa + So + Feiertage:
13 - 22h
hartware medien kunst verein, Güntherstraße 65, 44143 Dortmund
english
version
Rudolf
Bonvie, Heather
Burnett, Volker
Eichelmann / Roland
Rust / Johannes
Schweiger, Douglas
Gordon, Ross
Sinclair, Annis
Joslin, Mike
Marshall, Wolf
Vostell, Jamie
Wagg
"This is the Mighty B-52! Now you have experienced the terrible
rain of death and destruction its bombs have caused. These planes come
swiftly, strongly speaking as the voice of the government of Vietnam proclaiming
its determination to eliminate the VC threat to peace. Your area will
be struck again and again, but you will not know when or where. The planes
fly too high to be heard or seen. They will rain death upon you again
without warning..."
Text aus einem Flugblatt der psychologischen Kriegsführung
der USA in Vietnam
Planet Claire has pink air
All the trees are red
No one ever dies there
No one has a head
Auszug aus dem "B-52's" Song "Planet Claire"
Einführung
KünstlerInnen
Rede zur Eröffnung
Credits
Links
Einführung
Gibt
man in Suchmaschinen den Begriff B-52 ein, erhält man
ebenso viele Links auf die Fanseiten der 80er Jahre Band The B-52s
wie auf jene der begeisterten Anhänger des legendären B-52 Bombers.
Die Boeing B-52 ist das älteste noch betriebene Modell der Luftfahrtgeschichte.
Sie wurde Ende der 40er Jahre entwickelt und kam Anfang der 50er erstmals
zum Einsatz. Auf ungebrochen Weise repräsentiert die B-52, die unter
anderem Atombomben und Cruise Missiles transportieren kann, die Ideologien
des Kalten Krieges, der technischen, militärischen und wirtschaftlichen
Überlegenheit der USA.
Die amerikanische Band "The B-52's", nicht nach dem Bomber,
sondern nach einer auf extreme Weise bombenfest? toupierten
Haartracht benannt, ist in den 80er Jahren vom Outfit bis zum Plattencover
mit einem schrägen retro-futuristischen Stil angetreten, der die
Pop- und Partykultur der 60er Jahre bekanntlich auch ein Produkt
des Kalten Krieges in überzeichneter Form imitiert.
Der ebenso affirmative wie konterkarierende Partykult der B-52's dreht
sich allen voran um den Glanz und Glitter extraterrestrischer Welten.
Der B-52 Bomber "Stratofortress" (!) ist zwar den Sternen nicht
wirklich nah, erreicht aber immerhin ein Flughöhe von 15.000 Metern.
Die enorme Flughöhe des mit elektronischen Sichtgeräten ausgestatten
B-52 Bombers ermöglicht jene Kriegsführung, die ihr Ziel aus
den Augen verloren hat und deren "Kolateralschäden" uns
nur noch als abstrakte Bilder erreichen. Von den "Höhepunkten"
der modernen Kriegsführung aus betrachtet, sind Opfer nicht nur gesichtslos,
sie sterben anscheinend auch nicht mehr. "No one ever dies there,
no one has a head" singen die
B-52's in "Planet Claire".
Die Ausstellung "No one ever dies there, no one has a head"
stellt künstlerische Arbeiten vor, die sich mit Formen der Repräsentation
und Wahrnehmung sowie der Abstraktion und Verdrängung von Krieg,
Gewalt und Angst in der "westlichen Zivilisation" auseinander-
setzen.
Neben den Kunstwerken umfasst die Ausstellung auch dokumentarisches Material:
z.B. über ein Programm des Londoner Imperial
War Museum,
das zeitgenössische KünstlerInnen damit beauftragt, an Kriegsschauplätze
zu reisen um vor Ort Gemälde anzufertigen.
Darüber hinaus wird die Ausstellung am 12. und 13. Juli von ein Film-
und Vortragsprogramm erweitert. Blind
Dates. Berichte von der Nachrichtenfront
beschäftigt sich mit Aspekten der Kriegsbersichterstattung.
Die KünstlerInnen
Wolf Vostell
hat bereits 1968 dem Mythos der B-52 mit seiner Serie "B-52
statt Bomben" einen kritisch-ironischen Kommentar entgegengesetzt:
Die Vostell'schen B-52er, grob gerasterte Vergrößerungen eines
Pressefotos, werfen neben Bomben z.B. auch Dauerlutscher oder Lippenstifte
ab. Über die Parole "Make Love not War" hinausgehend, spielt
der Künstler auch und gerade auf die "weichen" Strategien
des Kalten Krieges an.
Ca. 30 Jahre später reproduziert der britische Künstler Jamie
Wagg den B-52 Bomber, der eine Länge von 50 Metern, eine Höhe
von 12 Metern und eine Flügelspanne von 56 Metern misst, im Maßstab
1:1 im Internet: Der Betrachter scrollt dabei endlos an der grauen Oberfläche
des Bombers entlang. Auf verstörende Weise hebelt Heather
Burnett,
die in ihrem Video Szenen aus Actionfilmen mit brutalen Szenen aus Sorious
Samuras Dokumentarfilm über den Bürgerkrieg in Sierra Leone
konfrontiert, unsere vermeintlich stabilen Sehgewohnheiten auf Krieg und
Gewalt aus.
Den Siegeszug des Westens mit seinen Strategien der feindlichen
Übernahme reflektiert wiederum Rudolf
Bonvie
in seiner Fotoarbeit Pariser Platz Januar 1990: Sie zeigt
ein Stück der Berliner Mauer, an dem kurz nach der Wende
ein Transparent mit dem Slogan: Saatchi & Saatchi first over
the Wall hängt.
Auf der Basis von wissenschaftlichem Filmmaterial aus der Jahrhundertwende
vermutlich eine Studie über ein Giftgasopfer führt
Douglas
Gordon
den Betrachter an die schmalen Grenzen zwischen Schrecken, Objektivierung
und ästhetischem Genuss. Grenzen, die in gewisser Weise auch Mike
Marshall
mit seiner filmischen Beobachtung eines Sonnenuntergangs auslotet. Pseudo-psychologische
Methoden der Angstbewältigung werden dagegen von Annis
Joslin
auf ironische Weise demontiert.
Volker
Eichelmann
/
Roland Rust
/ Johannes
Schweiger
greifen Verschwörungstheorien unter anderem an Hand der
Schicksale der amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln und John
F. Kennedy auf. Zu einer Verschwörung gegen nationale
und bürgerliche Identitäten ruft wiederum Ross
Sinclair
in seiner Neonarbeit und Rauminstallation mit Parolen wie Burn your
pass-port oder Renounce Citizenship auf.
Ein Projekt des
medien_kunst_netz dortmund
> hartware > Museum am Ostwall > Kulturbüro Stadt Dortmund
im Rahmen von
Scene:
Großbritannien,
36. Internationale Kulturtage der Stadt Dortmund, uk@nrw
KuratorInnen
Hans D. Christ, Iris Dressler
Presse + Koordination
Tabea Sieben
Technische Leitung
Hans D. Christ, Uwe Gorski
Courtesy
Die KünstlerInnen
The British Council, London (Douglas Gordon)
The Agency,
London (Heather Burnett, Ross Sinclair)
Museum am Ostwall, Dortmund (Wolf Vostell)
Museum Bochum (Wolf Vostell)
VTO Gallery, London (Mike Marshall)
Danke
Jari Lager, VTO Gallery,
London
Bea de Souza, The Agency
Support
Kulturbüro Stadt Dortmund
Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes
NRW
British Council
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