|
Dokumentarische
Positionen beim Anblick der Grenze
15.17.
Juni 2001
Dok-Filmprogramm im Rahmen von „new ideas
old tricks“
hartware medien kunst verein
Ursula
Biemann, Gerhard
Benedikt Friedl, Holly
Fischer, Volker
Köster, Trinh
T. Minh-ha, Lisl
Ponger, Abraham
Ravett, Hito
Steyerl
Einführung
Filme
Workshop
Programm
Credits
Links
Einführung
Das Film- und Videoprogramm passengers - Dokumentarische Positionen beim
Anblick der Grenze setzt sich mit den Problematiken und Brennpunkten der
Globalisierung auseinander und integriert gleichzeitig die zeitgenössische
Dokumentarfilmpraxis als inhaltliches und formales Problemfeld. Symbolischer
Austragungsort der filmischen Diskussion ist der Begriff Grenze. Im Spannungsfeld
von triumphalen Globalisierungsversprechen und massiven Gegendiskursen
verstehen wir die Grenze als Leitmetapher für die Auseinandersetzung
um Raum, Position und Identität. Die Grenze markiert dabei den Ort,
der symbolisch wie real kulturelle, soziale und politisch-ökonomische
Konflikte sichtbar werden lässt. In den Blick kommt das Scheitern
eines Grenz-Begriffs, der das Eigene gegenüber dem Fremden
definiert und als Synonym für Sicherheit und Stabilität gilt.
Innerhalb der Globalisierungsdebatte ist der Begriff Grenze vor einem
Diskurs zu retten, der ihn auf ein ökonomisches Hindernis oder eine
protektionistische Aussengrenze reduziert. Globalisierung errichtet nicht
neue Grenzen, sondern verändert sie als Praxis: Ihre Kartographie
entspricht einer Vielzahl von Landkarten, deren Grenzverläufe sich
danach unterscheiden, ob es sich um den Transfer von Kapital, Waren, Informationen
oder Menschen handelt, und danach, wo dieser stattfindet. passengers sucht
daher nicht nur den globalen, sondern den lokalen Zusammenhang, und ordnet
konkrete Einzelbeobachtungen in den übergeordneten Komplex Globalisierung
ein.
So setzen sich Lisl Ponger in ihrem Found-Footage-Film Déja-vu
und Trinh T. Minh-ha in ihrem Dokumentaressay The Fourth Dimension
damit auseinander, wie fremde Kulturen durch den westlichen
Blick absorbiert und verklärt werden. Ponger führt diese interkulturelle
Auseinandersetzung, indem sie verschiedene Migratonsdiskurse miteinander
verwebt, ohne sie gänzlich einem Verstehen preiszugeben. Minh-ha
reflektiert während eines Japan-Aufenthalts sowohl ihre Position
als Reisende als auch als Filmemacherin und verknüpft kulturelle
Eindrücke mit der filmischen Praxis des Sich-ein-Bild-Machens.
Holly Fisher stößt in Kalama Sutta - Seeing is Believing,
einer Dokumentation über Burma, an die Grenzen des Bildermachens
aufgrund einer offiziellen Bildzensur. Sie konfrontiert touristische Propaganda
mit der Realität internationaler Niedriglohnpolitik und staatlicher
Repression.
Die Konstruktion kultureller Identität und Differenz zeigt Volker
Kösters Vom deutschen Rand, einem Road Movie entlang der deutschen
Außengrenzen. Rituale, Grenzsteine und hochgerüstete Überwachungsapparaturen
sorgen dort für die Illusion stabiler Ränder. Ursula Biemann
untersucht in ihrem Film Performing the Border die Situation junger Arbeiterinnen
in einer mexikanisch-amerikanischen Grenzstadt, in der transnationale
Konzerne ihre Hightech-Produkte herstellen lassen. Dieser Grenz-/Ausnahmezustand
verdeutlicht, wie ökonomische, kulturelle und soziale Mechanismen
ineinander greifen.
Dass Grenzkonflikte nicht nur das Außen, sondern auch das Innen
eine Gesellschaft berühren, zeigen die Filme von Hito Steyerl und
Benedikt Friedl. In ihrem Video Babenhausen nimmt Steyerl den Brandanschlag
auf das ehemalige Haus eines Juden zum Anlass einer historischen Rekonstruktion
jüdischer Lebenskultur und deren Verfolgung in einer hessischen Kleinstadt.
Friedl erzählt in Knittelfeld - Stadt ohne Geschichte die
Biographie einer Familie in einer österreichischen Kleinstadt als
detaillierte Ausgrenzungsanalyse des Anderen innerhalb gesellschaftlicher
Machtverhältnisse. Die inoffizielle Geschichte einer Stadt, deren
Erinnerung Friedl auf die Gegenwart ihres Stadtbildes prallen lässt.
Die Notwendigkeit, nicht zu vergessen, trifft auf die Grenzen des Erinnerns
in Abraham Ravetts The March.Über dreizehn Jahre lang führte
Ravett mit seiner Mutter Gespräche über den Todesmarsch von
Ausschwitz. Das insistierende Fragen des Sohnes ringt mit dem Widerstand
der Mutter, an das Vergangene zurückzudenken, und den Grenzen ihres
immer schwächer werdenden Gedächtnisses.
Der abschließende Workshop fRAMing THE BORDER von Matthias
Thiele erweitert die filmische Grenzdebatte auf das Medium Fernsehen.
Thiele stellt Bilder und Bildlichkeiten zur Diskussion, mit denen das
Fernsehen die im europäischen Rahmen stattfindende Abschottungspraxis
der Bundesrepublik Deutschland begleitet und legitimiert.
Gudrun Sommer, Mark Stöhr
Programm
Freitag, 15. Juni, ab 20 Uhr
> Lisl Ponger: Déjà vu , A 1999, Beta, Farbe, 23 Min.
> Trinh T. Minh-ha: The Fourth Dimension ; USA 2001, Beta, Farbe, 87
Min.
mit einer Einführung von Madeleine Bernstorff
Samstag, 16. Juni, ab 11 Uhr
> Führung durch die Ausstellung "new ideas old tricks"
von Kuratorin Iris Dressler
> Holly Fisher: Kalama Sutta Seeing in Believing , USA 2001,
Beta, Farbe, 96 Min.
15.00
Uhr
>Volker Köster: Vom deutschen Rand, 1999, Beta, Farbe, 135 Min.
18.
00 Uhr
> Ursula Biemann: PerformIng the Border , CH 2001. Beta, Farbe, 43
Min.
21.
00 Uhr
> Gerhard B. Friedl: Knittelfeld Stadt ohne Geschichte, D/A
1997, 16 mm, Farbe, 35 Min.
> Hito
Steyerl: Babenhausen, D 1997, Beta, Farbe, 4 Min.
> Abraham Ravett: The March, USA 1999, 16 mm, Farbe + s/w, 24 Min.
Sonntag,
17.06.01, 11 Uhr
Workshop "fRAMing THE BORDER" von und mit Matthias
Thiele
In den 90er Jahren zeigt das Fernsehen bei Flucht und Einwanderung vorrangig
Bilder von militärisch abgeschotteten national-staatlichen Grenzen. Präsentiert
werden Bilder und Bildlichkeiten, mit denen das Fernsehen die im europäischen
Rahmen stattfindende neo-nationale und neo-rassistische Abschottungspraxis
der Bundesrepublik Deutschland begleitet und legitimiert. In einem zweiten
Schritt werden anhand von Film- und Fernsehausschnitten Gegenbilder gesucht
und Politiken gegen die deutsche Anti-Einwanderer-Grenze diskutiert.
anschließend:
> Jörg Heitmann und Philip Scheffner: Juristische Körper,
D 1995, Beta, 49 Min.
Ein Projekte
in Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales, Qualifikation
und Technologie, Landeszentrale für politische Bildung
ProgrammkuratorInnen
Gurdrun Sommer, Mark Stöhr
Worshop
Matthias Thiele
Einführung Trinh
T. Minh-ha
Madeleine Bernstorff
Technische Leitung
Hans D. Christ, Uwe Gorski
Support
Kulturbüro Stadt Dortmund
Filmbüro NW
Ministerium für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie,
Landeszentrale für politische Bildung
Pro Helvetia
Sixpackfilm, Wien
Internationales Forum des jungen Films, Berlin
Links
new
ideas old tricks
Zugewinngemeinschaft
|