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Bedingungen
von Medienkunst
Podium, 1.-3. Oktober 1999
hartware medien kunst verein
mit:
Daniel
García Andújar,
Tobias Berger,
Heath Bunting,
Hans D. Christ, Iris Dressler, Karin Frei, Heiner
Holtappels,
Ekkerhard Kähne, Christine Meierhofer,
Thomas Munz, Hermann
Nöring,
Thorsten
Schilling,
Mike Stubbs, Herwig Turk, Daniel Tyradellis und anderen
Fragen | Statements
1. Produktionsbedingungen
Welche Ansätze dezentraler und/oder interdisziplinärer Infrastrukturen
für die Produktion von Medienkunst bestehen bzw. könnten entwickelt
werden? Wo liegen die Probleme solcher Infrastrukturen?
Ansätze: Die globale Vernetzung bringt z.B. zwangsläufig
eine Ausgrenzung der dafür inkompatiblen Infrastrukturen mit sich.
(Kompatibilität ist hierbei nicht nur eine Frage von technischem
Zugriff, sondern zum Beispiel auch eine Frage der Sprache)
Werden ideale Produktionsbedingungen für Medienkunst
zu stark auf die Quantität und Qualität des Technopools
projiziert? (Wie können ideale Produktionsbedingungen
auch auf inhaltliche/theoretische Auseinandersetzungen hin konzipiert
werden?)
Wie ist die Euphorie von Kulturpolitik und Industrie im Hinblick auf Medienkunst
zu bewerten? (Ideale Produktionsbedingungen brauchen einen
stabilen finanziellen Hintergrund. Wo liegen die Gefahren einer kulturpolitische
Vereinnahmung sowie der Kommerzialisierung von Medienkunst?)
Ansätze: Industrie und Kulturpolitik haben ein großes Interesse
an einem positivistischen Diskurs neuer Technologien. Medien-Kunst-Spektakel,
die diesen Positivismus tragen, werden gerne gesehen und gefördert.
Der Aufbau von Infrastrukturen interessiert dagegen kaum.

2. Präsentationsbedingungen
Was sind ideale Präsentationsbedingungen für Video,
Videoinstallationen, Computer gestützte Installationen, Netzkunst?
Sind Projekte, wie der Hybrid Workspace während der documenta
x oder Open X während der Ars Electronica 1997 ideale
Modelle im Sinne einer Simultaneität von Kommunikation, Produktion
und Präsentation ?
Im Bereich der Computer gestützten Installationen (Interaktive Kunst),
sowie bei der Netzkunst scheint es häufig um Versuchsanordnungen
und/oder eine Materialprüfung zu gehen. Inwiefern kann/muss
dieser Status durch die Präsentationsform vermittelt werden?
Ansätze: Für Videokunst und -installationen scheinen sich Präsentationsformen
jenseits von Monitor auf Sockel etabliert zu haben. Problematischer
ist die Präsentation von Netzkunst. Es leuchtet ein, dass Netzkunst
im Netz stattfinden muss. Zugleich gibt es einen hohen Bedarf an der Vermittlung
von Netzkunst (sowohl seitens der Netzkünstler als auch seitens des
Kunstpublikums) | Das Internet ist weder ein öffentlicher noch ein
privater Raum und ein Raum im klassischen Sinne schon gar nicht, wodurch
die Frage nach dem Rezeptionsort von Netzkunst gestellt werden muss |
Da Netz- und (Computer gestützte) interaktive Kunst noch künstlerisch
erprobt werden, liegt es Nahe, Präsentationsformen zu entwickeln,
die auch Infrastrukturen der Produktion und Kommunikation einbeziehen.

3. Rezeptionsbedingungen
Was ist ein interaktiver Rezipient (ein SpectActeur)?
Ansätze: Der Diskurs neuer Rezeptionsstrukturen, die durch Computer
gestützte interaktive Installationen in der Kunst ermöglicht
werden sollen, erscheint fragwürdig. Interaktive Installationen gehen
selten über ein klassisches Reiz-Reaktionsschema und/oder Multiple
Choice Strukturen hinaus. Sie überlassen dem Betrachter häufig
eine begrenzte Auswahl an Wahrnehmungs- und Interaktionsmodi, was durch
die Geste des alle-können-frei-verfügen verleugnet
wird. | Konstruiert und festgeschrieben wird dabei ein Dank der Kunst/Technik
befreites, autonomes Betrachtersubjekt. | Die Frage nach dem Status von
Interpretation, nach den Zuweisungen an Künstler, Werk und Betrachter
wird hier schlicht nicht mehr gestellt, sondern die bewährten Kategorien
vorausgesetzt und als solche vermeintlich überschritten. | ...
Ein Projekt in Kooperation mit dem Kulturbüro Stadt Dortmund
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