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Anschlüsse
an den Körper
Ausstellung,
22. August 5. Oktober 1997
Deutsche Arbeitsschutzausstellung, DASA, Dortmund
Daniel García
Andújar, Janine
Antoni, Apsolutno,
Fernando Arias,
Peter Bogers,
Hans Breder,
Frank Göldner,
Mona Hatoum,
Christoph Irrgang,
Gabriele Leidloff,
Zoe Leonard,
Julia Scher,
Jon Shumway,
Jan-Peter E.R.
Sonntag, Bill
Spinhoven,
Timm Ulrichs,
Bea de Visser

© Foto: Liselotte Hermes da Fonseca
Einführung
Die Ausstellung
Credits
Links
Publikation
Einführung
Die
Ausstellung "Short Cuts: Anschlüsse an den Körper",
verhandelt ein Modethema: den Körper. Den Moden ist der Körper
eng verpflichtet. In Mode gekommen ist er, nicht zum ersten Mal, als Diskurs
von Wissenschaft, Technologie, Kunst - und Ausstellung. Mit dem Ausstellen
kommt der Körper in/zur Mode und zurück zur Ausstellung. So
beginnt, dreht und wiederholt, designed und re-designed sich der moderne
Körper um seine Schauplätze herum. Ob im anatomischen Theater
zu Leiden oder der Herzklinik in Fairfax, ob in den Wachskabinetten des
18. Jahrhunderts oder im Hygienemuseum Dresden, ob im Vortragssaal der
Salpetrière, in Freak-Shows, den Kunst- und Wunderkammern, den
white cubes oder blue boxes - hier ist und darf er sein: der letzte Schrei.
Am Anfang des modernen Körpers stand die Leiche. Erstarrtes Fleisch,
geduldig wie Papier, allzeit bereit zu gestehen, was ihm vorausgesagt
worden war. Das scharfe Auge und die geschickte Hand - Meisterschaften
des Arztes und des Künstlers - haben, samt ihren technischen Verlängerungen
und seltsamen Mutationen, gesteuert von "Myriaden Diskursen",
den Körper zugleich seziert und gestaltet, ihn vernichtet und neuerfunden,
den Tod mit dem Leben verwechselt. Der Blick der Spezialisten wies dem
Körper Maß und Proportionen zu, in die das widerspenstige Fleisch
eingefasst wurde. An die Stelle der Haut ist ein Vorhang getreten, halb
Schleier halb Bildschirm, heraus schält sich immer die maßgeschneiderte,
makellose Puppe.

Das Ziel vor Augen, Licht in diesen dunklen Kontinent zu bringen, den
Körper vollständig zu ergründen, sind jedoch auch Schattenwesen
hervorgerufen worden. Denn in den Panoramen des Leibes wurde dem Körper
ein umgestülpter Doppelgänger angehängt. Mit den Bildern
des entgrenzten Körpers, diesem Hybriden aus Innereien und Oberflächen,
hat sich ein "Fremdkörper" tief in den eigenen Leib eingeschrieben.
Ein drohender Skandal, eine obszöne, ungeheuerliche Wunde, die raffinierter
Kunstgriffe bedarf, um im Augenblick der Enthüllung übersehen
werden zu können. Ent- und Verhüllung fallen in eins. Egal,
ob dabei Kleider oder Häute fallen ...
Der Körper existiert nicht, existentiell sind dagegen Bilder - Bilder,
die als Spiegel gelesen werden. An seinen endlosen Bildern und Spiegelungen
erbaut sich der Körper und wächst daran weit über sich hinaus.
Am Ende der geöffneten Leiche steht das moderne Subjekt, das sich
selbst mit den Bildern verwechselt, die es hervorgebracht hat. Schon der
erste, den Körper (an)erkennende Blick, nimmt ein zurückgeworfenes,
zensiertes und zensierendes Bild in sich auf, das behauptet, dass da/dies
ein Körper ist. Zwischen Blick und Körper spannt sich ein Raum,
in dem Bilder passieren. Dazwischen strukturiert sich Differenz als Differenzierung
von Subjekt und Objekt, Leben und Tod, Männlich und Weiblich, Weiss
und Schwarz, Ideal und Monstrum, Kultur und Natur - eine Differenz, die
immer vom Einen zum Einen führt. Und der ist kein Körper, sondern
beansprucht, einen zu haben.
Endlos sich spaltend und abspaltend, verlegt und verlängert das Subjekt
seinen Körper durch immer komplexer werdende Prothesen nach außen,
um sich von dort aus an sich selbst anzuschließen. Seine Verlängerungen
umkreisen ihn wie Satelliten, er ist ex-orbitant und ex-zentrisch zugleich.
So geht es letztendlich gar nicht mehr darum, einen Körper zu haben,
sondern an sich selbst angeschlossen zu sein.
Der Körper ist erneut ins Gerede - in Mode - gekommen. Diesmal in
Form des Cyborgs, der - so befürchtet und bejubelt man - den Körper
samt seinen Implikationen endlich überflüssig mache. Welchen Körper
plötzlich? Wie kann etwas überflüssig werden, das als eben dies
schon immer galt?
An einem Schaf hängt der Glaube, man könne mit identischen genetischen
Codes auch identische Wesen erzeugen - was unter anderem dazu führt,
dass auch das fraktalste Subjekt sich gekränkt auf das Recht, nur
mit sich selbst identisch zu sein, beruft. Und allen voran lockt und droht
das neue Jahrlausend mit seinen Verspreche(r)n auf Ewigkeit.

Die Ausstellung
"Short Cuts: Anschlüsse an den Körper" stellt keine
Pro- und Diagnosen über den Körper am Ende des Milleniums. Es
geht nicht um Gesamtansichten oder "Abrechnungen". Anliegen
ist es vielmehr, kurze Auf- und Überblendungen möglicher (oder
unmöglicher) Lesarten quer zur Geschichte und ihren Körpermythen
in den Raum zu stellen.
In den Raum gestellt sind Exponate zeitgenössischer Kunst
Fotografie, Objekt/Skulptur, Installation und Video , eine Serie
von Leuchtkästen sowie: die Rezipienten.
Den Raum stellt eine Institution, die kein expliziter Kunstort ist. Im
Zentrum der Deutschen Arbeitsschutzausstellung (DASA) stehen Mensch, Arbeit
und Technik, ihr Ziel ist die Aufklärung, Prävention und Unterhaltung.
Zwischen der Ausstellung "Short Cuts" und dem Ausstellungsort
"DASA" verlaufen also ebenso viele An- wie Ausschlüsse.
Die Leuchtkästen soufflieren das Subsystem der Ausstellung. Sie enthalten
Bild- und Texttableaus, die Repräsentationsweisen und Vorstellungen
des menschlichen Körpers querlesen. Herausgelöst aus ihrem ursprünglichen
Kontext gehen die Bilder mit sich "fremd", de- und kommentieren
sich, gehen gleich mehrere Verhältnisse ein. Formal an Informationsmedien
in Museen angelehnt, sind sie keine Erklärungshilfen für die Exponate.
Sie greifen deren Themenfelder auf, lenken davon ab und bieten weitere
Anschlüsse an.
Die Rezipienten schließlich werden mit ihren Körpern und ihren
Blicken als konstitutives Element der Ausstellung, der Interpretation
und Repräsentation von Bildern am Schauplatz beteiligt.
Mit den Wechselspielen zwischen den vier Bezugsfelder Kunst, Leuchtkästen,
Rezipient und Ort wurde der Versuch unternommen, in den Fluss der
Erzählungen, der Texte und Texturen des Körperlichen einzugreifen
Brüche und "falsche" Verbindungen durch Abkürzungen
und Anschlüsse herzustellen.

Ein Projekt
in Kooperation mit dem Kulturbüro Stadt Dortmund und der DASA
KuratorInnen
Hans D. Christ, Iris Dressler
Technische Leitung
Hans D. Christ, Ute Schulze Eyßing
Support
Kulturbüro Stadt Dortmund
Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes NRW
Kommunal Verband Ruhrgebiet
Mondriaan Stichting
The British Council
Denneborg Videoprojekt
Microsonic
Großfoto Stühler
Technologies To The People
Kunstgeschicht.de
Büro für freie Kulturarbeit in NRW (Anschub)
Links
Iris Dressler, Vergiss nicht zu sterben,
Kunstforum
International, Band 153
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